Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) & Matcha

Im deutschen und europäischen Lebensmittelrecht ist bei Lebensmitteln die Angabe eines sogenannten Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) auf der Verpackung zwingend vorgeschrieben. Ausnahmen gibt es nur für ganz spezielle Ausnahmen.

Ohne den genauen Gesetzestext zu zitieren, fass die Verbraucherzentrale das MHD ganz gut so zusammen:

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) auf verpackten Lebensmitteln gibt den Zeitpunkt an, bis zu dem dieses Lebensmittel bei richtiger Aufbewahrung seine spezifischen Eigenschaften, beispielsweise Geruch oder Geschmack, behält.

Ein MHD ist also, wie auch die Verbraucherzentrale an anderer Stelle schreibt, kein „Verfallsdatum“:

Wurde die original verschlossene Verpackung richtig gelagert, sind Lebensmittel mit überschrittenem MHD häufig noch gut zu genießen und nicht automatisch verdorben.

(Quelle: https://www.lebensmittelklarheit.de/informationen/das-mindesthaltbarkeitsdatum-ist-kein-verfallsdatum)


Dies ist bei unterschiedlichen Lebensmitteln jedoch unterschiedlich zu bewerten. Ein Stück Camembert ist nach Ablauf des MHD sicher frühzeitiger nicht mehr genießbar als eine Packung Nudeln oder Reis.

Wie verhält es sich nun mit Matcha?

Matcha ist Tee und Tees benötigen laut Gesetz ein MHD auf der Verpackung. Unterschiedliche Produzenten geben jedoch teils sehr unterschiedliche MHD auf ihren Packungen an. Ippodo oder Marukyu-Koymaen schreiben auf ihren Matcha bspw. ein MHD von 180 Tagen (=6 Monate). Matcha aus dem Hoshinogarten oder von den Familien Hayashi oder Morimoto haben oft ein MHD von bis zu drei Jahren.

Ist der Matcha von Ippodo und Koyamaen daher schneller „verdorben“ oder ungenießbar als der Matcha aus Hoshino oder von den Familienbetrieben?

Aus unserer Sicht ein klares Nein!

Matcha, das gemahlene Teeblatt, reagiert aufgrund seiner sehr großen Oberfläche verhältnismäßig schnell mit dem Sauerstoff aus der Luft. Matcha oxidiert. Das ist der gleiche Prozess, warum Blätter im Herbst gelb werden oder Eisen rostet. Durch diesen Oxidationsprozess verliert Matcha an Aroma, Farbe, Geschmack etc.

Matcha verdirbt aber nicht, sodass man gesundheitliche Einschränkungen befürchten müsste wie bspw. bei verschimmeltem Brot. Nie. Matcha wird nicht schimmelig wie Brot, sauer wie Milch oder „abstürzen“ wie alter Wein. Er schmeckt irgendwann einfach nicht mehr und hat keine schöne Farbe mehr. Dennoch könnte man ihn auch farb- und geschmacklos weiterhin trinken (wenn man es denn mag).

Diesen Oxidationsprozess des gemahlenen Teeblatts kann man verlangsamen, indem man Matcha kühl lagert. Durch kalte Temperaturen, bspw. im Kühlschrank, wird der Oxidationsprozess erheblich gebremst. Bei entsprechend kalter Temperatur, etwa im Gefrierschrank, kommt der Oxidationsprozess vollständig zum Erliegen und Matcha behält dann „ewig“ seine Frische, Geschmack und Farbe.

Verpackt unter Schutzatmosphäre

Matcha wird i.a.R. unter einer sogenannten Schutzatmosphäre verpackt. Die Luft wird aus den Packungen oder Dosen entfernt und gegen Stickstoff ersetzt. In der Packung oder Dose befindet sich dann nur das Matchapulver und der Stickstoff. Es ist kein Sauerstoff mehr in der Packung, der für den Oxidationsprozess des gemahlenen Teeblatts notwendig ist. Das Pulver kann also nicht mit Sauerstoff reagieren und bleibt in der Frische erhalten, wie zum Zeitpunkt der Abpackung.

In einer solchen Packung ohne Sauerstoff ist Matcha aus unserer Sicht prinzipiell ewig haltbar. Völlig unabhängig davon, was das MHD besagt.

Das MHD von Matcha hat aus unserer Erfahrung teilweise einen Marketinghintergrund der Hersteller: Ein kurzes MHD könnte aus marketingtechnischen Gründen angegeben sein, um die besondere „Frische“ des Matcha hervorzuheben oder den unbewussten Druck auszulösen, den Matcha schnell aufzubrauchen, um dann wieder Nachschub zu kaufen.

Gibt es Matcha, der nicht unter Schutzatmosphäre verpackt wurde und wenn ja, wie lange ist dieser haltbar?

Ja, vor allem kleinere Produzenten oder Importeure können Matcha mangels vorhandener Technik oftmals nicht unter Schutzatmosphäre abpacken. Hier beginnt der Oxidationsprozess dann bereits in der Packung. Dieser Oxidationsprozess ist aber ein Prozess, der nicht vom einen auf den anderen Tag das gesamte Pulver verändert. Die Oxidation des Pulvers zieht sich auch bei Zimmertemperatur über viele viele Monate hin. Der Oxidationsprozess dauert erheblich länger als die Zeit, die ein Blatt im Herbst braucht, gelb zu werden, aber nicht so lange, wie eine Eisenstange braucht, um durchzurosten.

Unsere Empfehlung lautet daher, Matcha grundsätzlich gekühlt aufzubewahren, um die Frische und den Geschmack des Tees möglichst lange zu bewahren.

Wie lange hält sich Matcha nach dem Öffnen der Packung.

Der Oxidationsprozess startet beim Matcha unweigerlich spätestens mit dem Öffnen der Dose/Packung. Ab diesem Zeitpunkt kommt das Pulver mit dem Luftsauerstoff in Berührung und der Oxidationsprozess setzt ein. Wird Matcha ab diesem Zeitpunkt gut verschlossen, lichtgeschützt und kühl aufbewahrt, behält Matcha im Großen und Ganzen aus unserer Erfahrung mindestens 6 Monate seinen typischen Geschmack und seine intensiv grüne Farbe. Dann beginnt der Geschmack nachzulassen und die Farbe beginnt zu verblassen.

Aber Matcha wird auch dann nicht schlecht oder wird ungenießbar. Völlig unabhängig davon, was das MHD der Packung/Dose aussagt.

All das genannte ist selbstverständlich immer aus dem Blickwinkel der Verhältnismäßigkeit zu betrachten. Wer Matcha in ein Glas umfüllt und/oder dieses dann auf die Fensterbank in die Sonne stellt und unter der Fensterbank dann noch die Heizung ist oder mit einem Löffel erst im Müsli und damit dann in der Matchadose stochert, wird sicher nicht lange Freude an seinem Matcha haben.

Und sonst?

De Verbraucherzentrale schreibt auf ihrer Seite weiter:

Im Handel löst ein abgelaufenes MHD kein Verkaufsverbot aus. […] (der Händler) muss einen Hinweis auf das abgelaufene MHD anbringen, den Preis muss er nicht reduzieren.

Fun fact I: Bestimmte Lebensmittel sind übrigens von der Verpflichtung zur Anbringung eines MHD befreit. Nudeln, Reis oder Mehl benötigen ein MHD, wohingegen Essig, Whisky oder Kaugummi (!!!) jedoch kein MHD benötigt. Tee hingegen muss immer ein MHD haben.

Fun fact II: Das Datum wird in Japan in der Form JJ.MM.TT angegeben. So ist das MHD der abgebildeten Dose der 05. August 2021 und dieser Matcha ist nicht bereits seit 2005 abgelaufen 😉

Fazit

Das MHD bei Matcha ist eine Angabe, die nur bedingt einen sinnvollen Zweck erfüllt. Verallgemeinert lässt sich sagen: Sofern das MHD nicht gerade Jahre in der Vergangenheit liegt, ist der Matcha zumeist genau so genießbar und qualitativ hochwertig wie vor „Ablauf“ des MHD.

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