Was ist ein „Blend“?

Oft liest man bei Matcha von „Blends“. Aber was ist ein Blend? Und ist das gut oder schlecht?

Wie auf dieser Seite erläutert, wird Matcha zwar immer aus der Teepflanze Camellia sinensis hergestellt, aber es gibt unterschiedliche Züchtungen mit Namen wie Okuyutaka, Yabukita, Minami Sayaka und viele weitere.

Kurzfassung:

Ein Blend ist eine Mischung aus pulverisierten Tees unterschiedlicher Pflanzenzüchtungen, um jedes Jahr die gleichen geschmacklichen Eigenschaften zu bekommen bzw. einen bestimmten Geschmack überhaupt erst zu erreichen.

Langfassung:

Teepflanzen entwickeln aufgrund von klimatischen Bedingungen jedes Jahr unterschiedliche geschmackliche Nuancen und Ausprägungen. War es ein warmer, sonnenreicher Frühling, gedeihen die Pflanzen bis zur Ernte stärker und schneller als bei einem kühlen regenreichen Frühling.

Ein Beispiel:

Ein Teefarmer züchtet auf seinen Feldern die Teepflanzensorte Asatsuyu. Aus dieser Sorte produziert er nun Matcha. War der Frühling warm, trocken und sonnig, kommt ein leckerer Matcha dabei raus.

Im kommenden Jahr ist der Frühling aber nun kälter, regnerischer und nicht so warm wie im vergangenen Jahr. Er pflückt zur Erntezeit wieder die Teeblätter und verarbeitet sie zu Matcha.

Dieser Matcha wird dann sehr anders schmecken als der Matcha aus dem vergangenen Jahr. Der Matcha schmeckt nicht schlechter oder besser als der Matcha vom Vorjahr, aber anders.

Der Kunde, der nun den Matcha vom Vorjahr kennen und lieben gelernt hat, ist begeistert und freut sich schon auf die neue Ernte im neuen Jahr. Da der Kunde genau diesen Geschmack mag, wird er vom Matcha des neuen Jahres enttäuscht sein, da dieser Matcha nur aufgrund der klimatischen Bedingungen anders schmeckt und seinen persönlichen Geschmack nun nicht mehr so gut trifft.

Und dieser geschmackliche Unterschied, an dem der Teefarmer keine Schuld trägt, da die gleichen Teepflanzen als Basis dienten und der Matcha exakt gleich produziert wurde und nur das Wetter anders war, kann dann sehr groß sein.

Daher werden oft Matcha-Blends angeboten. Ein Matcha-Blend ist eine Mischung aus unterschiedlichen, fertig produzierten Matchasorten verschiedener Teestrauchvarietäten, die mit dem Ziel gemischt werden, jedes Jahr wieder den gleichen Geschmack zu liefern.

So kann sich der Konsument darauf verlassen, dass der Matcha aus der diesjährigen Ernte genauso schmeckt, wie der Matcha der letztjährigen Ernte oder der Ernten davor.

Diese Blends werden von erfahrenen Teemeistern jedes Jahr aufs Neue gemischt, um einen immer gleichen Geschmack der jeweiligen Sorten zu erreichen. Mal muss ein wenig mehr von Sorte A, mal etwas weniger von Sorte B zusammengemischt werden. Ein Blend kann aus bis zu fünf oder mehr unterschiedlichen Sorten gemischt werden. Hier ist jahrelange Erfahrung und eine feine Nase und Zunge eine zwingend notwendige Voraussetzung.

So ist der Geschmack ein Grund, warum Blends produziert werden. Ein weiterer Grund ist, um einen neuen Geschmack, einen neuen „Matcha“ zu kreieren, denn Matcha ist ja nicht gleich Matcha. Jeder Matcha unterscheidet sich im Geschmack von anderen Sorten.

Nehmen wir als Beispiel die unterschiedlichen Matchasorten von Teelirium: Es gibt den Bio Matcha Silk Basic, Yuki, Organic, Mikoto, Premium und Supreme. Diese sechs Grade haben alle einen unterschiedlichen Geschmack. Von intensiv kräftig über ausgewogen und balanciert, bis zu weich, mild und sanft im Geschmack. Bei all diesen Sorten handelt es sich um Blends, die aus verschiedenen Teestrauchvarietäten gemischt wurden und jedes Jahr wieder neu gemischt werden, um einen gleichbleibenden Geschmack zu gewährleisten.

So wird bspw. der Bio Matcha Silk Basic aus den Teestrauchvarietäten Asatsuyu, Asanoka, Yabukita, Kanayamidori, Okuyutaka und Okumidori in unterschiedlichen Anteilen gemischt. Der Bio Matcha Silk Organic wird aus den gleichen Teestrauchvarietäten gemischt, schmeckt aber dennoch ganz anders als der Bio Matcha Silk Basic. Hier unterscheiden sich unter anderem die Anteile der jeweiligen verwendeten Teepflanzenarten. Ist bspw. beim erstgenannten Matcha mehr Asatsuyu enthalten und beim letztgenannten mehr Okuyutaka, hat dies einen enormen Einfluss auf den Geschmack. (Hinzu kommt auch, dass unterschiedlich junge Triebe und Blätter für die Sorten verwendet werden, dazu jedoch mehr an anderer Stelle auf diesen Seiten).

In Japan gibt es neben der Ausbildung zum Teemeister – die bereits mehrere Jahre dauert und nicht mit der hier in Deutschland anzutreffenden Ausbildung zum „Teamaster“ o.ä. zu vergleichen ist – auch jährliche Wettbewerbe und Grade, die ein Teemeister erreichen kann, die mit den Graden beim Karate vergleichbar sind (weißer Gürtel, blauer Gürtel bis zum schwarzen Gürtel). Neben dem Erkennen einzelner Teesorten in der Tasse und der Einordnung der olfaktorischen Eigenschaften ist auch das Blending von Tees ein essentieller Bestandteil der Wettbewerbe.

So werden bspw. die Matchasorten von Ippodo durchweg von erfahrenen Teemeistern regelrecht komponiert.  Diese bedeutenden Teemeister stehen häufig Teeschulen vor und leiten diese. Der Teemeister der Firma Maiko gewinnt regelmäßig landesweite Wettbewerbe mit seinen Gyokuro Sorten und wurde bereits vom japanischen Premierminister für seine Verdienste um den Tee gewürdigt.

Sind Blends nun besser oder schlechter als Matcha aus einer Sorte

Blends sind weder besser noch schlechter als Matchasorten, die nur aus einer Teestrauchvarietät produziert werden. Es gibt Teehändler, die einen „Single-Origin“ Matcha – also Matcha aus nur einer Teestrauchvarietät produziert – für die Krönung der Matchaproduktion halten und diesen dann auch entsprechend teuer anpreisen. Wir können dem nicht zustimmen. Sowohl Blends wie auch Matcha aus nur einer Teestrauchart haben beide ihre Berechtigung und der eine ist nicht besser oder schlechter als der andere.

Wer gerne Kontinuität in seiner Matchaschale hat und seinen Lieblingsmatcha gefunden hat, ist mit einem Blend besser bedient, wer Tees einer bestimmten Familie bevorzugt und sich von der geschmacklichen Vielfalt gerne immer wieder neu überraschen lassen möchte, für den ist ein Single-Matcha eventuell die bessere Wahl. Aber besser oder schlechter ist keiner der beiden Varianten.

Matcha- und Teesorten aus nur einer Züchtung werden vor allem von Familienbetrieben wie bspw. der Familie Morimto oder der Familie Hayashi angeboten, Blends findet man häufiger bei größeren Teeproduzenten wie Teelirium, Ippodo oder Maiko.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*